Erfahrungsberichte

Roman, 19 (Sechs Monate im ALYN Rehabilitation Center, Jerusalem)
„Zu realisieren, was es bedeutet, tatsächlich die Verantwortung für ein menschliches Leben zu tragen, hat in mir einen tiefsitzenden Eindruck hinterlassen.
Nicht nur habe ich es gelernt, selbstständig zu sein und mich an Umstände anzupassen, ich habe auch gelernt, diese Selbstständigkeit unheimlich wertzuschätzen und wie wichtig Zuverlässigkeit ist.
Ich habe gelernt, was für ein großes Privileg es ist, unabhängig zu sein und alles alleine erledigen zu können, ohne auf jemanden angewiesen zu sein. All das hat meine persönliche Reife so unheimlich bereichert und diese Erlebnisse kann man sich nirgendwo kaufen. Ich würde dieses freiwillige Jahr jedem empfehlen, denn alle Erfahrungen, die man hier macht, sind einfach einzigartig und werden mich für mein ganzes Leben prägen!“

Levi, 18 (10 Monate im ALYN Rehabilitation Center, Jerusalem)
„Ich bin Levi, 18 Jahre, frischgebackener Schulabgänger, trotz des Namens nicht-jüdisch und dank der ZWST Freiwilliger für zehn Monate in Jerusalem.
„Bis Juni 2015 hätte ich nur wenig Geld darauf verwettet, das kommende Jahr im gelobten Land zu verbringen. Ich war nie dort gewesen, hatte keine Kontakte und keine Vorstellung von Land und Leuten. Wenige Monate später sitze ich nun also in einer Wohnung in Jerusalem und Eindrücke prasseln sintflutartig auf mich ein: Die medizinisch anspruchsvolle, physisch anstrengende und seelisch nicht immer einfache Arbeit auf einer Station für ca. 15 erwachsene Muskeldystrophie-Patienten in der Rehaklinik ALYN. Die unfassbare Vielfalt an Ethnien, Landschaften und historisch bedeutenden Orten auf so engem Raum. Die hohen Preise für eigentlich alles, die gespannte politische Lage, die Konfrontation mit Opfern der Shoa und deren Nachkommen, die vielen Freiwilligen aus aller Welt. Je tiefer ich in dieses Land eintauche, desto mehr neue Impulse und Spuren ergeben sich, denen es zu lohnen folgt. Der erste Kulturschock ist überwunden, ich fühle mich nützlich, gut aufgehoben und bin äußerst dankbar, hier sein zu dürfen.“

Rodion, 23 (10 Monate bei der Organisation Kivunim für junge Menschen mit leichten Behinderungen)
„Vor meiner Teilnahme am Deutsch-Israelischen Freiwilligendienst bin ich gefragt worden, warum ich nach meinem Studium ein ganzes Jahr meiner Zeit opfern will. Daraufhin habe ich meinem Gegenüber die Frage gestellt, was er machen würde, wenn er die Chance bekäme, etwas zu tun, was heutzutage kaum noch ein Thema ist - an seine Mitmenschen zu denken. Sich bewusst zu werden, dass man selbst nicht der Mittelpunkt der Gesellschaft, sondern lediglich ein kleiner aber machtvoller Teil ihrer ist, ist einer der vielen Eindrücke, die ich nach diesem Jahr aus Israel mitnehmen werde."